Der Südkurier schreibt am 11.11.2009:

         Getränkehändler liebt Kunst




Kisten schleppen, Bestellungen aufgeben, Feste beliefern, auch bis spät in die Nacht, Leergut annehmen, Bierbänke oder Kühlschränke verleihen, das ist Winfried Möhrs Job.

Dass der Getränkehändler in der Lenzkircher Straße etliche gänzlich andere Seiten hat, wissen nicht viele, könnten man aber ahnen. Die gut fünf Meter hohe Wand vor seinem Laden zieren zahlreiche Ölgemälde, Möhrs Werke.

Diese freilich sind Jahre alt.

Seit 25 Jahren hat der 62-Jährige nur noch sporadisch gemalt. Beispielsweise hängt das Porträt eines Sohnes von Claudia Ketterer im Treppenhaus des Gasthauses Kranz. Ansonsten jedoch war es ruhig geworden um den Künstler Winfried Möhr.

Jetzt hat ihn eine neue Schaffensperiode in Beschlag genommen. Seit fünf Jahren mit Verena liiert, seit zwei Jahren mit ihr verheiratet, „hat sie sich ganz stark zu meiner Muse entwickelt“. Als Künstler hatte sie ihn bei Freunden kennengelernt, seine alten Werke gesehen und sie hat sich in eben diesen Künstler verliebt.

Bei ihm in Bonndorf lebend wurde sie zunehmend ärgerlicher. Er sei doch Künstler, noch dazu so ein außergewöhnlicher, meinte sie, hier sähe sie nur den Getränkehändler, der sein Talent verschleudere. „Sie glaubte mir allmählich fast nicht mehr, dass ich die Bilder gemalt habe“, so Möhr.    


In diesem Monat wird Verena Möhr-Bosse 55 Jahre alt. Zum Geburtstag bekommt sie von ihrem Mann das wahrscheinlich größte Geschenk, das er ihr machen kann: Eine Vernissage mit neuen „Möhrs“.

Sie ist am 21. November um 19 Uhr im Gasthaus Lamm in Gündelwangen. Prall, bunt, geheimnisvoll und wie ein Hinweis auf die Unendlichkeit des Seins sind die neuen Werke, – vier an der Zahl, zusammengefasst unter dem Titel „Augen zum Sehen“.

Nun könnte man meinen, vier Bilder gäben keine Ausstellung.

In diesem Fall trifft das sicher nicht zu. So wie bei jedem der vier Gemälde der Rahmen mit einbezogen ist, was angesichts der Ganzheitlichkeit in der Möhr das Leben und eben auch sein Werk verstanden wissen möchte, fast notwendig ist, sind seine Bilder voller Details.

Der Betrachter wird sie erst nach und nach und immer wieder neu kennenlernen

(siehe „Kurz erklärt“).


Von seiner Mutter habe er das sogenannte „zweite Gesicht“ geerbt, die Fähigkeit, Dinge vorauszusehen, oder zu wissen, die man nach normalen Maßstäben eigentlich nicht wissen kann. Winfried Möhr, einer der Menschen, die unentwegt mit sich und der Welt ringen um ein besseres Verständnis, um die Suche nach der Wahrheit, hat darunter gelitten und auch davon profitiert. Beispielsweise hat er seine erste Frau viele Jahre bevor er sie kennenlernte, gemalt.


Sowohl seines Vater als auch seiner Mutter Tod habe er vorausgeträumt, obschon die sich jeweils bester Gesundheit erfreut hätten.

Das Malen war hier Ventil.

Mit Parapsychologie hat er sich beschäftigt, „mit der irrationalen Ebene, die neben der vernunftsbezogenen jeden Menschen begleitet“.

So sehr ihm das Geschäft mit den Verpflichtungen ein Klotz an seinem Künstlerbein ist, so sehr „erdet es mich“.

Der Kunde hört das mit Freude, bekommt er doch auch künftig Saft, Wasser und Bier bei Winfried Möhr.

 

Quelle: Südkurier, vom 11.11.2009

Autor: Gudrun Deinzer

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Foto: Martha Weishaar
Die Badische-Zeitung schreibt am 28.11.2009            

            

           80 bis 100 Stunden für eines der komplexen Werke

 

BONNDORF. Die meisten Leute der Region kennen Winfried Möhr als Getränkehändler. Derweil schlummert in dem 62-Jährigen noch ein ganz anderes Talent: Winfried Möhr ist Maler, er hat sogar einige Semester Kunst und nebenbei auch Philosophie und Pädagogik studiert. Eine weitere Gabe, Dinge im Voraus zu wissen, die dem rationalen Menschen nicht zugänglich sind, befruchtet seine künstlerische Intuition zusätzlich.

Seine in früheren Jahren erfolgte Auseinandersetzung mit Parapsychologie indes geriet für Möhr beinahe zur persönlichen Katastrophe. In der Malerei fand er schließlich ein Ventil, mittels dessen er seine Gefühle, Erlebnisse und Erkenntnisse verarbeiten konnte. Seit 1969 bringt der Künstler seine Botschaft von der großen Wirklichkeit hinter unserer kleinen Welt in zahlreichen Werken zum Ausdruck. Dabei scheut er weder Stil- noch Materialmix, vereint in jedem einzelnen seiner Werke verschiedenste Genres, so dass der Betrachter keineswegs mit flüchtiger, sondern allenfalls durch intensive Auseinandersetzung das Gesehene verinnerlicht.

Am Samstag konnte man sich im Gündelwanger "Lamm" von der wieder erwachten künstlerischen Inspiration des Malers überzeugen. Winfried Möhr hatte zur Vernissage geladen, viele Interessierte waren dieser Aufforderung gefolgt.

Vier neu entstandene Werke warten hier auf genaue Betrachtung, ein jedes davon forderte 80 bis 100 Stunden der Schaffenskraft des Malers. Titel wie "Hiob", "Adam", "König Salomon und die Königin von Saba" oder "Jeremia" zeugen von den religiös motivierten Intuitionen des Malers. Möhr thematisiert Krankheit und Not, Chaos, Verblendung und Lüge auf der einen, Hoffnung, unerschütterliche Treue und Vertrauen sowie die Errettung durch Gott allein auf der anderen Seite. Nahezu sarkastisch mutet Möhrs Quintessenz zu König Salomons Werdegang: "Was der Teufel selbst nicht kann, stellt er durch ein Weibsbild an!" Und er scheut nicht die Behauptung, dass ein Prophet wie Jeremias auch in die heutige Zeit mit den vielen falschen Propheten und Versprechungen passen würde.

Winfried Möhr hat Erfahrungen mit Ausstellungen. Bereits in den ersten Jahren seines Wirkens gab der im Markgräflerland Geborene in kleineren Ausstellungen in Freiburg, Basel oder Bad Krozingen Einblick in sein Schaffen, erweiterte später seinen Radius über Freiburg und Merzhausen sogar bis Mengen, München, Essen, Berlin, Regensburg, Dresden und Straßburg.

Die Gründung einer Familie und damit einhergehend die solide Grundlage eines geregelten Einkommens sowie diverse Irrungen seines Lebensweges führten zu einer langen schöpferischen Pause, brachten ihn gar so weit, dass er seine alten Werke und mit diesen vermutlich auch alte Verwobenheiten von Lebenswirklichkeiten entrümpeln wollte. Stattdessen präsentiert er neue Werke, die sich in Stil und Thematik zwar den älteren anschließen, jedoch wesentlich komplexer und richtungweisender wirken. In Formen übrigens, die über den Bildrand hinweg fließen, um scheinbar von der Unendlichkeit aufgesogen zu werden.

 

Quelle: Badische-Zeitung vom 28.11.2009

Autor: Martha Weishaar